Wir starteten unsere Durchquerung der Serra de Tramuntana auf dem GR221 in Es Capdellà. Der erste Tag begann direkt mit einem Höhepunkt.
Ein schmaler Pfad. Hohes Gras. Ein steiler Anstieg und etwas leichte Kletterrei.
Ein Gipfel, mit einen atemberaubenden 360° Blick und einer Silhouette, die uns in den nächsten Tagen noch begleiten würde
Im auslaufenden alpinen Gelände, auf einem Pfad im Abstieg vom Galatzó, dann dieser kurze Moment: ein Sturz in unserer Gruppe, die schnelle Rettung aus der Luft, und das leise Weitergehen danach.
Der Weg führte uns durch schönen Steineichenwald und duftendem Lorbeer hinunter nach Estellencs. Am Abend trafen wir unsere Bergkameradin wieder, sahen die sichtbaren Blessuren und waren erleichtert, dass nichts Schlimmeres passiert war. In den nächsten Tagen hatten wir tausend gute Wünsche für sie im Gepäck und im Herzen.
Der Blick weit über die Steilküsten, das Wandern mitten durch alte Olivenhaine, und schließlich die Terrassen von Banyalbufar, bevor der alte Postweg, der Camí des Correu, uns hinüber nach Esporles führte.
Von Esporles führte uns der historische Reitweg des Erzherzogs Ludwig Salvator hinauf durch den Steineichenwald der Mola de Son Pacs, vorbei an alten Köhlerplätzen und Brunnenstuben, die früher Menschen und Ziegen mit Wasser versorgten, bevor sich bald der Blick nach Valldemossa öffnete.
Wir bestaunten die Taulellets – bunte Kacheln mit Heiligenbildern, die Häuser schützen sollen.
Ein kleines Detail, das viel erzählt. Dann wartete der nächste Aufstieg.
Steil. Direkt.
Ein anstrengender und heißer Aufstieg lag vor uns. Oben flüchteten wir uns für eine kurze Rast unter die wenigen Bäume die dies Ebend zu bieten hatten und waren dankbar für jedes Zentimeterchen Schatten. Aber der Rundumblick vom Es Caragol entschädigte für die Mühen.
Oben wartete ein atemberaubender 360‑Grad‑Blick.
Unter uns Valldemossa.
Auf der anderen Seite Deià.
Vor uns der Galatzó, den wir schon in den Beinen hatten.
Zum ersten Mal sahen wir die Küste bei Sóller.
Und in der Ferne den Puig Major und die Massanella.
Ein Moment, der sich tief verankert.
Ein stiller Augenblick zwischen zwei fordernden Tagen.
Der Aufstieg durch den Barranc de Biniaraix nach Sóller war einer der eindrucksvollsten Abschnitte der Tour.
Die unzähligen Steinstufen wurden von Menschenhand in den Berg gebaut.
Ein historischer Weg, der Landwirtschaft, Handel und Dörfer verband.
Heute spürt man bei jedem Schritt diese Arbeit.
Hinter Sóller führte uns der Weg hinauf zum Coll de l’Ofre.
Dort öffnete sich die Landschaft. Vor uns lag zum ersten Mal der Cúber‑Stausee.
Dahinter der Puig Major.
Daneben die Massanella.
Ein Panorama, das sofort begeistert. Wir bestiegen kurzerhand den L’Ofre und wurden wiederum sehr belohnt.
Ein Gipfel, der leicht wirkt und doch tief berührt.
Auf dem Weg Richtung Tossals Verds nutzten wir die Variante über den Pas Llis.
Eine felsige Querung über eine glatte Platte, daher der Name.
Weite Blicke in den Torrent d’Almadrà.
Karge Hänge.
Càrritx‑Gras im Wind.
Ein Abschnitt, der zeigt, wie vielfältig der GR221 ist.
Nach dem Coll des Prat, dem höchsten Punkt der Tour und ein typischer Übergang, erreichten wir die Zone der historischen Schneehäuser – die Cases de Neu d’en Galileu. Ein Ort, an dem früher Schnee gesammelt und als Eis für Lebensmittel und der Medizin benutzt wurde. Stein. Wind. Geschichte.
Wir schauten auf die hohen Berge der Insel und gleichzeitig hinunter wir nach Lluc und ein Bartgeier zog seine Kreise direkt über uns.
Geschlafen haben wir überwiegend in den Refugis der Tramuntana.
Einfache Unterkünfte. Mehrbettzimmer. Frühstück und Abendessen.
Genau richtig nach langen Tagen.
Ein Bett. Ein Teller.
Und ein gutes Gefühl.
Nach rund 140 Kilometern und etwa 6.000 Höhenmetern erreichten wir Pollença.
Zum Abschluss stiegen wir die Stufen hinauf zum El Calvari. Über den Dächern der Stadt lag die ganze Tour noch einmal vor uns.
Fels. Meer. Wege.
Und viele gemeinsame Momente.
Jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer bekam ein selbst gestaltetes Magnet der DAV‑Sektion Eifel.
Eine kleine Erinnerung an ein großes Erlebnis
Es fielen Worte wie: gigantisch, genial, überwältigend.
Viele sagten, sie hätten ein ganz anderes Mallorca kennengelernt.
Ein Mallorca der Berge, der alten Wege, der Stille. Ziegen, Esel und müde Beine.
Ein Bild, das sofort lächeln lässt. Manche Etappen hatten über 1.200 Höhenmeter im Aufstieg und zusätzlich im Abstieg.
Die Beine waren müde.
Die Köpfe voll.
Und gleichzeitig war da immer wieder diese tiefe Ruhe.
Nach der Durchquerung gab es noch zwei fakultative Extratouren: Eine Tour auf der Halbinsel Formentor und eine Tour auf und um den Puig d’Alcúdia. Beide Male mit Abstechern zu stillen Badebuchten wie der Cala Murta.
Klares Wasser.
Felsige Buchten.
Ein perfekter Kontrast zu den Tagen im Gebirge.
Geführt wurde die Tour von mir. Ich habe ich bereits vor vielen Jahren in die Tramunata verliebt und kenne die Gegend mittlerweile ganz gut.
Meine Leidenschaft für diese Insel und ihre Berge zieht mich immer mal wieder dorthin - und ich glaube bei dieser Tour sind weitere Leidenschaften für die großartige Landschaft entstanden.