Datum: 28. 05 2026
Autor: Sabine Mey
„Habe fertig!“ – dieser Satz war am Ende unserer Tour nicht einfach ein Spruch. Er war das emotionale Finale eines Weges, den wir über mehrere Jahre gemeinsam gegangen sind. Drei Mullerthal‑Trails, rund 120 Kilometer, verteilt auf verschiedene Jahreszeiten, Stimmungen und Erlebnisse. Und jetzt, auf Trail Nr. 2, haben wir dieses Kapitel zusammen vollendet.
Wir waren diesmal 19 Leute – eine wunderbare Mischung aus „alten Hasen“, die schon die ersten beiden Trails mit mir gegangen waren, und mehreren, die zum allerersten Mal im Mullerthal unterwegs waren. Und genau diese Mischung hat das Wochenende so lebendig gemacht. Die „Neuen“ waren teilweise sprachlos, wie spektakulär dieser Weg ist. Mehr als einmal hörte ich ein „Damit hab ich ja überhaupt nicht gerechnet!“ – und genau das liebe ich an dieser Region.
Schon nach wenigen Minuten verschluckte uns die Wolfsschlucht – kühl, eng, mystisch. Diese Felsenwelt versteht es, einen sofort in eine andere Welt zu ziehen. Weiter ging es zur Huel Lee, der riesigen künstlichen Höhle, in der früher Mühlsteine gebrochen wurden. Die Räuberhöhle, die Totenkammer und schließlich die Teufelsinsel reihten sich wie Szenen aus einem Abenteuerfilm aneinander. Auf der Teufelsinsel legten wir eine sonnige Pause ein, mit weitem Blick über die Wälder – ein Moment, der sich wie ein kleines Finale anfühlte.
Dann kam der legendäre 30‑Zentimeter‑Felsengang. Ein Durchschlupf, der jedes Mal für Gelächter, Staunen und ein bisschen Adrenalin sorgt. Genau solche Passagen machen den Trail so unverwechselbar. Der Predigtstuhl und der Schiessentümpel – das bekannteste Fotomotiv Luxemburgs – setzten die nächsten Akzente, bevor wir später durch die Goldfraley, die Rittergänge und die stockdunkle Koelscheuer gingen. Die warmen Gelb‑ und Ockertöne des Luxemburger Sandsteins leuchteten überall zwischen dem frischen Frühlingsgrün des Buchenwaldes hervor. Diese Farbkombination ist jedes Mal aufs Neue ein Geschenk.
Unsere Unterkunft, die Jugendherberge in Echternach, war wie immer ein vertrauter Ruhepol. Modern, freundlich, perfekt gelegen – und inzwischen fast schon unser „Basislager“ für die Mullerthal‑Jahre geworden.
Am Ende durfte ich fünf Menschen ehren, die alle drei Trails mit mir und der DAV‑Sektion Eifel erwandert haben: Birgi Limbach‑Schoof, Andreas Breuer, Martina Schöner, Karin Heinrichs‑Pauly und Bärbel Dille. Für sie gab es einen eigens gestalteten Magneten – klein, aber voller Bedeutung. Ein Symbol für Ausdauer, Gemeinschaft und viele gemeinsame Kilometer.
Was bleibt nach diesem Wochenende?
Die Begeisterung der Erstlinge, die völlig überrascht waren, wie spektakulär dieser Trail ist.
Die Verbundenheit der „Wiederholungstäter“, die über drei Jahre hinweg mit mir durch diese Felsenwelt gegangen sind.
Für mich war dieser Abschluss mehr als nur eine Wanderung. Es war ein gemeinsamer Weg, der uns über Jahre begleitet hat – und der zeigt, warum wir draußen unterwegs sind: wegen der Natur, wegen der Menschen, wegen der Momente, die bleiben.
Wenn jemand fragt, ob sich der Mullerthal Trail lohnt, dann sage ich: Er ist nicht nur ein Weg. Er ist eine Geschichte – und wir haben sie gemeinsam zu Ende erzählt.